Diamant Nr. 8 - Flämmlein-Meditation

  1.  Schalte das Licht aus. Setze dich im Dunkeln vor eine Kerze. Entzünde die Kerze.
  2.  Sei mit der Kerze. Meditiere mit ihr. Sei einfach da und nimm wahr. Beobachte die Flamme, nimm das Licht wahr, das die Kerze teilt. Nimm den Farbverlauf der Flamme und der weiteren Umgebung wahr. Und spüre dabei in dich hinein: Was spürst du? Mit welchem Aspekt der Kerze gehst du besonders stark in Resonanz? Oder spürst du vielleicht auch „nichts“ oder „nichts Besonderes“? Nimm es zur Kenntnis - wertfrei. Gehe mit Allem, was dir begegnet, gleichmütig um. Vielleicht zeigt sich auch eine Angst, der innere Kritiker oder etwas ganz Anderes. Bleibe offen, bleibe wertfrei.
  3. Die Flamme sieht aus wie eine einzige Flamme. Doch der Schein trügt. In Wirklichkeit ist es eine fast nahtlose Aneinanderreihung von vielen einzelnen Flämmchen. Es ist ein ständiges Entstehen und Vergehen. Versuche dich mit diesem Gedanken mit der Kerze zu verbinden. Mit ihrer Flamme und dem weichen Wachs rundherum. Jeder Moment: eine Flamme entsteht – sie vergeht – eine Neue entsteht – und sie vergeht wieder. Unaufhörlich fliesst diese Realität weiter. Jeden Augenblick entsteht neues Leben in dir und im Nächsten vergeht es wieder. Und dann beginnt es wieder von vorne. Ein Geborenwerden und Sterben. Jeden Moment. Versuche dir dieser Tatsache bewusst zu sein. FÜHLEND. Ganz entspannt und mit liebevoller Energie. Es soll kein Kampf sein, sondern ein Mitfliessen mit dem ständigen Wandel des Lebens. Bleibe 10 Minuten oder so lange wie du magst, in diesem Bewusstsein.
  4. Komme wieder zurück, puste die Kerze aus und bleibe noch eine Weile in der Dunkelheit, in der Stille. Lausche. Fühle. Was hat dich das Flämmlein gelehrt?

PS: Was du eben gemacht hast, ist eine Anlehnung an die Vipassana-Meditation, die ich seit über 10 Jahren selber praktiziere. Diese Meditation hat mein Leben enorm bereichert und hat mich in allen Lebensbereichen weitergebracht. Deshalb teile ich es auch sehr gerne mit dir.

 

Es geht darum zu beobachten. Angenehmes und Unangenehmes. Gleichmütig. Also ohne zu urteilen, ohne eine Seite zu bevorzugen. Man lernt diese automatische Reaktion von Anhanftung an das Schöne und Ablehnung des Unangenehmen zu Unterbrechen.

 

Du lernst zu beobachten. Es ist eine äusserst hilfreiche Stütze im Leben, um Gleichmut (=Gelassenheit) und somit Frieden im Herzen zu entwickeln. Man lernt, sich von seinem Leid zu befreien – eben in dem man annimmt, dass alles stetig im Wandel ist.

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